Lesbomat's Blog

Die lesbischste Sicht auf die Welt

Nachtrag: 10 hours of walking in NY as a woman

Das Video 10 hours of walking in NY as a woman zeigt den ganz normalen Spießrutenlauf vieler Frauen in den Städten. Männliche Kommentatoren des Videos haben mal wieder jede Menge Argumente im Ärmel, um die Sache kleinzureden:

Wo ist das Problem, guten Tag zu sagen? lautet der Tenor.

Darf man jetzt gar nicht mehr flirten? fürchten andere.

Ich persönlich fände es überhaupt kein Problem, auf der Straße nicht mehr “angeflirtet” zu werden, wenn man dabei auf dumme Sprüche, und mehr oder weniger anzügliche Anreden zum Zwecke des Austauschs von Telefonnummern etc. verzichten könnte. Eine Frau ist kein Stück Fleisch, dass darauf wartet, aufgespießt zu werden. Wenn man als Frau auf dem Weg von A nach B ist, ist man in 99% der Fälle nicht offen für Flirtversuche, denn man muss zum Job, zur Uni oder hat einfach Alltagssorgen. Diese Anquatscherei macht Frauen Stress, manche haben Angst, betatscht zu werden, andere gehen schneller. Wieder andere sind mutig und geben eine freche Antwort. Manchmal artet das dann in eine Prügelei aus. Das ist die Wahrheit über das “Flirten” auf offener Straße, dieses von manchen Flirten genannte deckeln und dissen von Frauen hat den Sinn, das Revier den Männern vorzubehalten. Die Straße gehört den Schwanzträgern und sie markieren sie ja auch oft genug mit ihrem Urin. Darum geht’s und keineswegs um den offenen und ehrlichen Wunsch nach einem Kennenlernen. Seid doch mal ehrlich, Jungs.

Und die Frauen, die jetzt sagen wollen, dass ihnen das nichts ausmacht und sie sich auch freuen, wenn ein Mann ihnen seine Anerkennung zeigt: haltet einfach die Klappe.

10 hours of walking in NY as a woman

In diesem äußerst erhellenden Video wird gezeigt, wie Frauen in der westlichen Welt in der Öffentlichkeit angegangen werden. Die Frage bleibt, wie man dies in Zukunft ändern könnte? Wo sind die Belästigungs-Streetworker, die sich die Jungs mal vorknöpfen?

Ei, ei, einfrieren

Die Reproduktionsmedizin hat ein neues Geschäftsfeld gefunden und Unternehmen wie Facebook oder Apple BEZAHLT Mitarbeiterinnen jetzt das Einfrieren ihrer Eier. War ich als Lesbomatin bisher neidisch auf die Heteras, sehe ich jetzt fröhlich den neuen Zeiten der absoluten Gleichheit entgegen, in denen Lesben und Heten gemeinsam künstlich befruchten lassen.

Scherz beiseite: Die Möglichkeit, das Ei einfrieren und zu einem späteren Zeitpunkt gebären zu können wird zu besseren Karrierechancen von Frauen führen und diese Möglichkeit wird in naher Zukunft reichlich genutzt werden. Da können die Apologeten der Natürlichkeit noch so lamentieren.

Männer werden sich in Heterobeziehungen in Zukunft mehr entspannen können, denn die Frauen werden ihren Gebärwunsch verschieben können und erst dann ein Kind bekommen, wenn der Partner sich dafür “reif fühlt”, also etwa mit 50. Frühestens.

Unternehmen lachen sich einen Ast, denn die energetisch reichste Lebensspanne der Frauen kommt in Zukunft nicht mehr der Brut, sondern dem Umsatz zugute. Meine Befürchtung ist, dass sich die Möglichkeit zur Verschiebung der Familienplanung bald zu einer unausgesprochenen Forderung wandelt. Heute gelten Teeniemütter als “asozial”, morgen dann Twenty- und Thirtysomething-Mütter?

Warum scheint es das neue Naturgesetz zu sein, dass sich alles, alles, alles dem Kommerz unterordnen muss?

Wollen wir Frauen nicht Frauen bleiben: Unkontrollierbar und selbstbestimmt?

Belauerten sich Arbeitnehmerinnen bisher nur hinsichtlich der Frage, wer als Erste den Computer ausschaltet und in den Feierabend geht, wird bald nur noch gelauert, wer als Erste einknickt und das vermaledeite Ei ausbrüten lässt. Dann ist natürlich Essig mit dem Pöstchen im Aufsichtsrat. Soviel ist sicher.

Prinzessinnen, Popstars und Girl Power

Diese Doku bringt die Sache ziemlich perfekt auf den Punkt.

Heißt Feminismus Vollzeit-Arbeit?

Irgendwie habe ich das mulmige Gefühl, zackige Elitenfrauen wie von der Leyen haben es verstanden, feministische Forderungen so umzudeuten, dass am Ende Mist dabei rauskommt.

Ja, Feministinnen wollten, dass Frauen ihr eigenes Geld verdienen, damit sie wirtschaftlich unabhängiger sind. Aber wollten sie, dass Frauen Vollzeit arbeiten und ihre Kinder dem Staat zur Erziehung überlassen?

Ich selbst bsw. ging kaum in den Kindergarten und wurde erst mit 7 Jahren eingeschult. In der Zeit davor durfte ich im Garten spielen. Im Kindergarten fühlte ich mich eingesperrt und von Singstunden traktiert. Auch die Schule war nicht meins, aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls haben wir gerade das Primat der Wirtschaftlichkeit, das unter den Vorzeichen des Feminismus daher kommt. Allerdings möchte der Feminismus doch eigentlich, dass reproduktive Arbeit gerecht geteilt und nicht an den Staat delegiert wird. Der Feminismus möchte genug Zeit zur Erwerbsarbeit, aber auch Eigen- und Familienzeit.

Dieses Thema kommt für mich in aktuellen Diskussionen viel zu kurz. Konservative Frauen erklären 60 Stunden Wochen und Karrierestreben zu feministischen Anliegen. Aber sind sie das wirklich oder ist das eine Umettikettierung, die wir so nicht zulassen dürfen? Sind kinderlose Managerfrauen ohne soziale Bindungen wirklich Vorbilder und ist es ein Nachweis der Unfähigkeit von Frauen, dass sie sich in den Angeboten von Politik und Unternehmen nicht wiederfinden, oder ist es nicht gerade ein Beweis der Fähigkeit der Frauen, in als falsch empfundenen Lebensmodellen nicht zu funktionieren?

Gute Städte für Lesben?

Also, eins kann ich behaupten: Berlin ist eine gute Stadt für lesbische Paare, hier interessiert es nämlich keinen, ob es sich bei uns um ein lesbisches Paar handelt.

Bei Leipzig sieht die Sache wiederum ganz anders aus. Auf der Straße wird da schon mal mehr gegafft und man hat auch teilweise das Gefühl, man sollte sich besser nicht spontan umarmen.

Welche Erfahrungen habt ihr? Wie geht es euch in eurer Heimatstadt? Mich würde das sehr interessieren!

Glotzen, starren, baggern

Die Postfeministinnen diskutieren gerade das Thema sexuelle Belästigung. Dazu Beobachtungen aus mehreren Regionen der Erde.

LINK

Natürlich sind die Übergangen vom bewundernden Nachschauen bis zum aggressiven Glotzen fließend. Aggressives Glotzen ist für Frauen häufig sehr unangenehm.

Ich kann jetzt aber nicht verleugnen, dass ich besonders hübsche Menschen manchmal anstarre. Sowohl Männer, als auch Frauen. Allerdings versuche ich, dabei möglichst nicht “ertappt” zu werden.

Vermutlich ist das heimliche Schauen halbwegs OK, was nervt ist intensives Starren, mit den Augen dominieren wollen, anzüglich werden, sich beim Glotzen in Pose stellen oder sogar im Genitalbereich anfassen.

Heute in der taz entdeckt

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Schwuler Shitstorm wegen Kunstprojekt

Die Kunstaktion Wanna Play des Niederländers Dries Verhoeven hat zu Verdruss in der Schwulenszene gesorgt. In einem durchsichtigen Kasten sitzend hat der Künstler Chatprotokolle und Profilfotos von Männern während des Chats an die Wand projiziert, so dass Passanten “mitlesen” konnten. Einen seiner Chatpartner lud er ein, ihn zu besuchen. In Erwartung eines Sexdates musste der User feststellen, dass seine Nachrichten und seine Persönlichkeit öffentlich gemacht wurden und flippte aus. Der Künstler erhielt einen Faustschlag ins Gesicht, die schwule Community ist empört, weil der Künstler einen “Fluchtraum” von Schwulen in der Gesellschaft an die Öffentlichkeit gezerrt hat.

Ja, es war nicht OK, die Profile öffentlich an die Wand zu projizieren, andererseits ist mir persönlich auch diese verschwiemelte Art der Sexualität zuwider. Wäre auch mal schön, wenn die Community nicht nur Aufheulen würde sondern auch mal ein bisschen selbstkritisch mit dem Thema der Beliebigkeit, der selbsterschöpfenden Rumbumserei und den psychischen Belastungen die daraus folgen umgehen würde. Dazu eine Studie, das wär doch mal interessant. Für mich hat der Künstler da durchaus einen Nerv getroffen. Im Übrigen tue ich selbst im Leben nichts, das ich nicht auch in der Öffentlichkeit vertreten würde.

Der Reflex beim Thema Sex

Bei jedem Artikel, in dem es um den Schutz von Frauen geht, begegnet er mir wieder, der männliche Aufheul-Reflex.

Gerade zum Beispiel bei der “Nur ja heißt JA”-Kampagne an amerikanischen Unis, im Rahmen derer beschlossen wurde, dass man seine Sexualpartner vor dem Sex um die Zustimmung zum selben bitten muss. Sind diese nicht mehr in der Lage zuzustimmen, dann eben kein Sex, irgendwie logisch? Jetzt kann es für denkende Menschen doch kaum einen Zweifel daran geben, dass es nicht angemessen ist, eine bewusstlos gedrogte oder besoffene Person sexuell zu belästigen, dennoch kommentieren Männer solche Gesetze folgendermaßen:

“Was hier als Fortschritt gefeiert wird, ist der Verlust jeglicher Vernunft.”

“Es geht hier mehr um die Verhinderung von Sex als der Verhinderung von Vergewaltigungen.”

“In Schweden ist man da schon weiter, dort kann eine Frau einen zunächst ausdrücklich einvernehmlichen Sex im Nachhinein “uminterpretieren”, nämlich dergestalt, dass sie den Sex rückblickend eigentlich doch nicht gewollt hat und den Mann dann anzeigen.”

“Am Besten, man und frau lässt das mit dem Sex ganz und gar, zumindest mit dem Hetero-Sex, der ist ja doch so oder so doch immer nur eine Zumutung für die Frauen.”

“Die Anarchie der menschlichen Sexualität muss endlich ein Ende haben. Nur ein notariell beglaubigter Vertrag kann vor Gericht beweisen, dass einvernehmlicher Koitus vollzogen wurde. Alles andere ist [Vorsicht Triggerwarnung] Vergewaltigung!”

“Also, wenn man mit jemanden Sex möchte, dann braucht man ein Diktaphon und ein Alkoholtestgerät.”

Also, ich wundere mich wirklich, dass es noch keine Stadtguerilla gibt, die solchen Arschlöchern einen Schwanz auf die Stirn tätowiert, ganz ehrlich.

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