Der Büstenhalter gibt mir immer wieder Rätsel auf. Und das war schon von Anfang an so. Ab meinem 13. Lebensjahr lag mir meine Mutter mit dem BH in den Ohren. Da ich ja noch fest davon überzeugt war, alles mögliche, aber auf keinen Fall ein Mädchen zu sein weigerte ich mich standhaft, mit ihr ein Unterwäschegeschäft zu betreten. “Jaja”, sagt ich, wenn sie mir anbot, mal einen winzigkleinen Abstecher in ein solches Geschäft des Grauens zu machen. Das Ergebnis dieses Verhaltens war und ist, dass ich mich bis heute erfolgreich dem BH verweigert habe.
Nun war ich heute mit einer Freundin Joggen und diese hatte ihren BH vergessen. “Oh je, das geht ja gar nicht”, jammerte sie, “das tut doch weh.” Mit einem Blick auf ihre zugegebenermaßen hübschen, aber nicht gerade riesengroßen Brüste sagte ich: “Entspann dich, wenn mir das nicht weh tut, wieso sollte dir das weh tun? Meinst du, dass unser Körper irgendwie für die Wäscheindustrie geschaffen wurde? Meinst du, der kommt nicht alleine klar? Eventuell ist der BH ja die europäische Antwort auf die Burka, da soll nix wackeln, damit die Männer nicht nervös werden. Und außerdem ist es sogar so, dass übermäßiges Tragen des BHs zu lahmem Bindegewebe führen kann. Von den vielen Büstenhaltern, die gar nicht richtig passen und Druckstellen und krumme Rücken verursachen ganz zu Schweigen. Zudem: Müssten, wenn wir in einem Matriarchat leben würden Männer Schwanzhalter tragen damit nix wackelt? Ich stelle mir da lustige Halterungen vor, die den Schniedel nach hinten binden und unsichtbar machen, damit kein weiblich Auge durch den häßlichen Anblick beleidigt werde.” Nachdem ich das Thema von sämtlichen möglichen und unmöglichen Seiten beleuchtet hatte, waren die 40 Laufminuten um und meine Freundin sagte: “Je länger wir darüber reden, desto weniger stört es mich, ohne BH zu laufen. Und wehgetan hat es nach 10 Minuten auch nicht mehr.”
Schlagworte: Büstenhalter, BH, Feminismus, Joggen, Sport
Gut gebrüllt, Lesbomatin!
Ooooh, wäre das schön ohne BH, und was ich mit den vielen Euros anstellen könnte – interessante Frauen schön bekochen, …
Ich finde es klasse, wie du dich dein ganzes Leben dem BH-Zwang entzogen hast!
Aber hast du auch einen Tipp für Frauen mit größeren Brüsten? So C oder D? Das würde echt schwabbeln.
Und dass Schniedel weggebunden werden, so dass Männer nicht mal eben an jeder Ecke hinpinkeln können, gerne auch vor Zeugen, würde ich auch befürworten.
Mehr so gute Vorschläge
Best,
fraulinde
Hui, jetzt bin ich ein bisschen rot geworden, weil dir mein Beitrag so gut gefallen hat. Also meine Brüste sind jetzt auch nicht soo klein, das ist einfach Gewohnheitssache. Eventuell kannst du ja mal klein anfangen und den BH weglassen, wenn du Freundinnen triffst und dich sicher fühlst. Später dann verzichtest du auf ihn, wenn zur Bäckerin gehst…und dann, wer weiß, was passiert? Ich finde einfach, dass wir viele Dinge als gottgegeben hinnehmen und vergessen, auf uns selbst zu hören und der BH ist da ein ziemlich gutes Beispiel.
Geiler Artikel!
Ich hab bis zu meinem fünfzehneinhalbten Lebensjahr auch nur zum Schulsport nen BH getragen- und niemand hats gemerkt.
Ist heute (tausend Jahre später, haha) immer noch so, dass ich Kleider eigentlich aus dem Grund so gern trage, weil ich da keinen BH drunter anziehe….
@fraulinde: Hab selber D (laut BH-Maß) – mit Sport allerdings (zB Liegestützen!) kannst du das Brustgewebe so stärken, sodass da nicht mehr so viel wackelt. Wer das nicht packt, kann sich daheim einbuddeln…
(bzw. Penisse würden ja auch wackeln, wenn sie nicht durch Unterhose “gehalten” werden)
So oder so, ich find deine Idee auch gut!!
ooooh, Liegestütze. Nee, das geht gar nicht
Da bin ich zu unsportlich für, und so Gymnastik überhaupt hasse ich von ganzem Herzen.
Mensch… ich bin aber auch froh, dass ich nicht so große Ohren habe, dass mir meine Mutter da einen BH reinlegen will.
Dass die Gesellschaft vieles hinnimmt, ohne es in Frage zu stellen – ja, sie könnte viele, wirklich neue Ideen entwickeln, wenn sie anfangen würde flexibler zu denken, anstatt zu glauben, dass Regeln Misstände (oder Misshänger, wenn wir das BH-Thema nehmen) beheben.
Obwohl ich deinen Artikel einmal mehr Klasse finde – und die Aussage dahinter voll und ganz unterstütze – muss ich an dieser Stelle doch ein wenig kleinlaut auch Partei FÜR den BH ergreifen.
Bis vor wenigen Jahren habe ich seine Existenz auch mehr oder weniger ignoriert (ich meine …wo’s nun mal nichts zu halten gibt). Seit es aber diese genialen Push-ups gibt und man sich, auch wenn man nicht zur B- C- oder D-Gruppe gehört, damit eine etwas fraulichere Figur zaubern kann, bin ich ihm hörig geworden. Ist das schlimm?
Und übrigens – ich bin dem Schicksal nach wie vor dankbar und ganz zufrieden mit mir. Zum Sport kann ich nämlich getrost ohne BH gehen!
Hi zusammen,
nur damit das klar ist, hier soll keineswegs ein neues Dogma aufgemacht werden, sondern gängige Gehirnwäsche auch mal hinterfragt werden. Ich finde es total OK, wenn sich Frauen mit ihrem BH wohler, besser oder vollbusiger fühlen. Ich find das Ding für mich unnötig und umständlich und wollte mal meine Position, die ich bis zu diesem Augenblick zugegebenermaßen etwas schamhaft für mich behalten habe mal ausposaunen. Dafür hab ich ein paar Jahre gebraucht, von der peinlich berührten 13jährigen bis hier war es ein weiter Weg und er ist noch nicht zu Ende. Die Fragen. “Warum ist das so?” und “Muss das so sein?” beschäftigen mich immer wieder, gerade auch bei alltäglichen Dingen. Für mich ist der BH ein Relikt, das aus dem Korsett entstanden ist und wenn man sich diese Genese vor Augen führt, muss man das Gerät schon ein wenig kritisch betrachten. Außer man steht drauf, hat einen Fetisch oder wirklich ein beträchtliches Gewicht zu tragen, das der Unterstützung bedarf. Wobei ich da auch nicht so genau weiß, ob da Liegestützen nicht die bessere Alternative wären? Und dann könnte man noch weiter fragen: Warum werden gerade Mädchen von Liegestützen oft verschont, obwohl die doch wirklich was zu stützen hätten?!?
Die Lesbomatin
Was mich beim nicht-BH-Tragen viel mehr irritiert, dass es oft genug als “Schlampe” angesehen wird, meiner Erfahrung nach vorwiegend von Frauenseite. Man ist dann ja leicht zu haben und ogott bewahre, manchmal kann man sogar eine Brustwarze sehen.
Ich muss Félin zustimmen, dass es manchmal erschreckend ist, wie sehr über Frauen ohne BH gelästert wird.
Ich selbst trage ungern keinen BH, habe es allerdings längere Zeit ausprobiert, weil mir die Dinger eigentlich lästig sind (fühlt sich echt an die ein Korsett)… nur bekomme ich ohne halt irgendwann Schmerzen. Liegestütze etc. haben da leider nie viel gebracht. Trotzdem sollte es jeder Frau selbst überlassen sein, ob sie einen BH tragen möchte oder nicht. (Wobei es schlimm ist, wie viele einen unpassenden BH tragen, der dann sogar noch mehr Schmerzen verursachen kann.
Hm, interessantes Thema! Ich habe, bis ich ca. 15 war immer ungepolsterte BHs getragen (hatte das Gefühl, dass das zum Erwachsenwerden dazugehört), mich aber immer unwohl gefühlt, weil man(n) meine Brustwarzen sehen konnte. Bis ich irgendwann meiner Mutter mein Leid geklagt habe und sie meinte, dass es auch BHs mit Polster gibt.
Mich stört es bis heute, wenn man meine Brustwarzen sehen kann, eigentlich ärgere ich mich über mich selbst, aber ich habe immer das Gefühl, das sonst jede_r auf meine Brüste starrt…
Irgendwelche Ideen?
Hm, ich mache zwar keine Liegestütze, dafür aber Krafttraining. Und um meine Brüste (E-Cup) am Wackeln zu hindern, muss ich schon bewusst die Muskeln anspannen. Ansonsten wackeln sie fröhlich in der Gegend rum, tun aber auch nicht weh. (Wobei ich nicht jogge. Das stelle ich mir unangenehm vor.)
Wenn es ohne BH grundsätzlich bequemer ist als mit, hat der BH jedenfalls definitiv die falsche Größe.
Ich finde die Diskussion echt klasse. Das nervige an der ganzen BH-Sache ist, den richtigen BH zu finden. Ich hatte mal einen, der mir perfekt passte. Teuer, aber egal; meine Brüste waren darin so leicht, dass ich auf einmal automatisch aufrechter ging. Aber meine Brüste verändern sich ja. Inzwischen passt er mir schon nicht mehr so perfekt (vielleicht ist er auch ausgeleiert), und die Träger schneiden in die Haut. Hm. Jetzt könnte ich meine ganzen BHs wegwerfen und wieder in fünf Geschäften nach dem richtigen BH suchen….
Krass finde ich die Idee, dass der BH aus dem Korsett entstanden ist…
Hallo Jana und Neeva (und auch Fraulinde, selbstredend),
das mit dem Anstarren ist und bleibt eine Frage des Selbstbewusstseins. Warum bei dir Jana gerade die Brustwarzen Anlass zu Befürchtungen geben weiß man nicht. Allerdings starren Männer häufig auf die Brüste, das kann man sich in jedem Straßencafé von Weitem anschauen, ich weiß aber nicht, ob sicht- oder unsichtbare Brustwarzen daran was ändern. Ich denke, Anstarren ist unhöflich und Dominanzverhalten, freundliche Männer glotzen nicht aufdringlich. Eventuell überlegst du dir ein paar zünftige Antworten, wenn es passieren sollte. Dass man einen BH trägt, schützt einen jedenfalls nicht davor, von anderen angeschaut und bewertet zu werden. Man hat ja auch noch einen Hintern, Ohren oder einen Pickel auf der Nase. : )
Neeva bringt mich auf die Idee, mich zu fragen, wie viele Frauen beim Sport gehemmt sind, weil was wackelt. DAS wäre wieder ein ganz eigenes Thema. Ich weiß von mir, dass ich durchs Joggen richtig abgehärtet bin, was lächerliches Aussehen in der Öffentlichkeit betrifft. Wer mit roter Rübe mitten durch die Stadt läuft, dem ist irgendwann so manches egal. Ich kann das nur empfehlen.
Und Fraulinde: BHs anzupassen ist eine Wissenschaft für sich. Meine Ex-Freundin hat ein Unterwäschegeschäft und es ist erstaunlich, was sie sich angeeignet hat in punkto BH-Anprobe. Leider sind die Designer und Hersteller ziemlich frauenfeindlich, die Größen sind meist in erster Linie stoffsparend, bringt ja auch mehr ein. Wer keine Durchschnitts-Brust und Rücken hat, kann den BH meist mit der Lupe suchen.
Die Lesbomatin
Kicher…super geschrieben! Und wenn mir meine Brüste dann nicht platt auf dem Bauch liegen würden (da helfen auch 487 Liegestütze am Tag nix mehr), hätte ich gerade nicht übel Lust mir das Scheißdings vom Leib zu reissen, was ich abends zuhause sowieso als Erstes mache.
Ich bin massiv dankbar für die Existenz von BHs. Bei Körbchengröße HH (ist nicht so lustig, wie es ausgesprochen klingt) tut mir ohne alles weh, nicht nur beim Sport. Dazu ist mein Bindegewebe ziemlich schwach, das liegt nicth am BH-tragen sondern an der Veranlagung; und wie zur Hölle man da mit Muskulatur was nennenswertes ausrichten soll, ist mir schleierhaft – Brüste bestehen nicht aus Muskeln und ein wohltrainierter Pectoralis Major wirkt auch keine Wunder.
Hi Jay,
schön dass du von deinen Erfahrungen schreibst. Keineswegs möchte ich Frauen, die gerne oder aus praktischen Gründen BH tragen den BH verbieten. Ich wende mich nur gegen das unausgesprochene Verbot, auf den BH zu verzichten, selbst wenn man sich ohne BH besser fühlt. Das BH-Dogma ist es, das mir auf den Keks geht.
Die Lesbomatin