Schlagwort-Archiv: Filmkritik

Almanya

29 Mar

Kino sollte ja in erster Linie dazu dienen zu unterhalten, ein wenig aufzuklären und Spaß zu bereiten, auch wenn gewisse Filmemacher denken, Filme müssten anstrengen, die Welt aus den Angeln heben und Sehgewohnheiten verändern. Der äußerst unangestrengte Film zweier türkisch-dortmundischer Schwestern hat mich bestens unterhalten, obwohl ich eigentlich in den neuen Francois Ozon wollte, der aber ausverkauft war. Glück gehabt, denn die Geschichte um die türkische Gastarbeiterfamilie war amüsant mit etwas Tiefgang, ich hätte sie nur ungern verpasst. Es ist ja immer wieder erfrischend, wenn man mit den Augen einer anderen Kultur die eigene Kultur sieht und so haben mich vor allem die Bilder von stempelwütigen deutschen Beamten, angesäuerten alten Jungfern, Leinenratten, Türkinnen im Dirndl und Schweinsbraten sehr zum Lachen gebracht. Zudem war es erfrischend, die Migrationsthematik mal nicht in Form von Frauenmord, Zwangsheirat oder Jugendkriminalität serviert, sondern auch einmal eine türkisch-deutsche Durchschnittsfamilie präsentiert zu bekommen. Schließlich haben auch wir nicht alle einen Nazi-Opa, einen Skinhead zum Bruder und einen Onkel im Schützenverein zu bieten. Empfehlung: Selbst anschauen.

Flotter Dreier

17 Jan

Natürlich konnte die Lesbomatin nicht umhin, sich den Film “Drei” von Tom Tykwer reinzuziehen, schließlich sollte es sich um ein Werk handeln, das die Dreierbeziehung von allen Seiten bespiegelt. Trotz der formidablen Kritik im Spiegel konnte die Lesbomatin jedoch nicht gänzlich überzeugt werden, denn “Drei” ist zwar ein sehenswerter Film, man muss aber einige Abstriche machen, die ich hier auch benennen möchte.
Der Film handelt nicht von einer Dreierbeziehung, sondern von zwei außerehelichen Affären, man sieht also auf der Leinwand meist ganz klassisch ein Paar das aus zwei und keineswegs aus drei Personen besteht.
Das Paar, um die 40, irgendwas in der Kultur- bzw. Medienszene schaffendes, verliebt sich jeweils getrennt in den gleichen Mann. Es gibt reichlich heterosexuelle und schwule Sexszenen zu sehen, die aber recht züchtig gefilmt wurden.
Ärgerlich ist meiner Meinung nach, dass das Thema AIDs völlig außen vor bleibt. So reagiert die Protagonistin als sie mitbekommt, dass ihr Mann und ihr Liebhaber eine schwule Affäre haben total entspannt. Ich würde mir da schon Sorgen machen, ob die beiden ungeschützten Sex hatten, ganz ehrlich. Vor allem wenn ich weiß, dass der Liebhaber mit mir ungeschützten Sex hatte, denn die Protagonistin ist schwanger und weiß nicht, ob vom Mann oder vom Liebhaber. Die Realität wird in weiten Teilen des Filmes also ausgeblendet.
Ein “Dreier” kommt eigentlich erst ganz zum Schluss vor, an dem sich die drei Protagonisten harmonisch und in Löffelchenstellung ins Bettchen legen.
Tykwer verzichtet leider trotz der interessanten Fragestellung auf eine psychologische Entwicklung der Charaktere. Sie bleiben von Anfang bis Ende leidlich tolerante Prenzlberg-Yuppies mit oder ohne bisexuelle Neigungen. Insgesamt hat man den Eindruck, dass die sexuelle Verirrung das einzig lebendige ist, ansonsten parliert man leidlich gescheit über gesellschaftliche Missstände (sie ist Mitarbeiterin einer Ethik-Kommission), meist jedoch am Thema vorbei und ohne Leidenschaft, außerhalb der Selbstinszenierung.
Der Film ist dennoch sehenswert, weil Sophie Rois und mir eine Neuentdeckung Sebastian Schipper mitspielen und er die Nöte einer langjährigen Beziehung mit Sexflaute und Familiendramen sehr treffend darstellt.

The kids are all right

12 Dez

 

 

 

 

 

Gestern hab ich es mir im Bett vor dem Laptop gemütlich gemacht und mir “The kids are all right” reingezogen. Eine Komödie über eine lesbische Familie. Nachdem die Kinder bald volljährig sind interessieren sie sich für ihren Samenspender und nehmen über die Samenbank Kontakt mit ihm auf.

Man bemerke das Wortspiel des Filmtitels, das darauf hinweist, dass die Kids trotzdem alle nicht homo sind, sondern all right anstatt alright. Wenn ich mich irren sollte, dann andere Anglisten bitte vor.

Die beiden Mütter sind natürlich zunächst wenig begeistert über den Testosteron-gesteuerten Familienzuwachs. Der Film ist an vielen Stellen sehr treffsicher und witzig. Fein die Szene, in der die beiden Damen sich Schwulenpornos reinziehen. Das beweist tiefe Einsicht in die lesbische Welt, die man aus anderen Filmen mit lesbischen Protagonistinnen eher nicht gewohnt ist. (Gibt es eigentlich auch Schwule, die sich Lesbenpornos anschauen, fragte ich mich sofort im Stillen?!?)

Die Beziehung der beiden älter werdenden Frauen ist allerdings so sexy wie eine Dose Bohnen und von gegenseitiger Bemutterung abgewürgt. Das kann allerdings auch Heten in langjährigen Beziehungen passieren und ist eigentlich nichts Außergewöhnliches. Ärgerlich an dem Film ist, dass der einzige Sex mit Leidenschaft von heterosexueller Art ist. Dies kann aber auch an den beiden Schauspielerinnen liegen, denen man das Lesbischsein im Umgang miteinander nicht wirklich abkauft. Da knistert wirklich gar nichts.

Wie man sich aus Gründen der Dramaturgie denken kann verliebt sich eine der Lesben in den Samenspender und landet auch mit ihm in der Kiste, wo es hoch hergeht, vor allem im Vergleich mit den verklemmten Bemühungen mit ihrer Frau.

Eine ewig ungeklärte Frage bleibt, warum die Dame trotz dieser Umstände zu ihrer Lebensgefährtin zurückkehrt, wahrscheinlich wollte man dann doch eine etwas zukunftsfähigere Komödie drehen und die lesbischen Kinogängerinnen nicht vor den Kopf stoßen. Aus der Geschichte heraus erschließt sich mir diese Logik jedoch nicht, denn warum sollte man guten Sex gegen schlechten Sex eintauschen? Wegen des top-eingerichteten Hausrats vielleicht? Dem Kingsize-Ehebett und dem geregelten Eheleben? Heißt Liebe, auf Spaß zu verzichten?

Fazit: Trotzdem ein empfehlenswerter Film, der einer einen amüsanten Nachmittag bescheren kann.

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