In Friedrichshain-Kreuzberg ist Wohnungssuche derzeit kein Vergnügen.
Neuerdings werden Wohnlöcher für 700,00 Euro warm feilgeboten. Da feiert die Gentrifizierung fröhliche Urständ’. Urbane Hühnerställe, bei denen man das Gefühl hat, man hätte sie schon 300 Mal besichtigt. Badschlauch, Küchenschlauch, zwei Zimmer, beide nach vorn zur Straße hin. Ist ja nicht weiter schlimm, aber unglaublich öde. Die Dachgeschosswohnung im Gräfekiez wurde mir kurzfristig vor der Nase weggeschnappt, nicht weiter schlimm, denn mein 12jähriger Stefford schafft die Treppe sowieso nicht.
Vermieter fragen einen zwar nicht nach den sexuellen Vorlieben aus, aber ansonsten darf man sich heutzutage richtig nackig machen. Schufa, Mietschuldenfreiheit, Stempel vom Steuerberater für den Einkommensnachweis: Im Bereich der Wohnungsfindung ist es vorbei mit der Privatsphäre. Und keiner hat mir unterschrieben, dass er diese empfindlichen Daten nicht weiterreicht. Weigerung ist übrigens sinnlos, wenn man nicht 10 Jahre nach einer Wohnung fahnden will rückt man die Unterlagen besser raus. Dann bekommt man, wenn man Glück hat eine knapp 60 qm große Bleibe, die einen schlappe 700,00 Euro kostet. Ich geh jetzt weinen.