
Gestern hab ich es mir im Bett vor dem Laptop gemütlich gemacht und mir “The kids are all right” reingezogen. Eine Komödie über eine lesbische Familie. Nachdem die Kinder bald volljährig sind interessieren sie sich für ihren Samenspender und nehmen über die Samenbank Kontakt mit ihm auf.
Man bemerke das Wortspiel des Filmtitels, das darauf hinweist, dass die Kids trotzdem alle nicht homo sind, sondern all right anstatt alright. Wenn ich mich irren sollte, dann andere Anglisten bitte vor.
Die beiden Mütter sind natürlich zunächst wenig begeistert über den Testosteron-gesteuerten Familienzuwachs. Der Film ist an vielen Stellen sehr treffsicher und witzig. Fein die Szene, in der die beiden Damen sich Schwulenpornos reinziehen. Das beweist tiefe Einsicht in die lesbische Welt, die man aus anderen Filmen mit lesbischen Protagonistinnen eher nicht gewohnt ist. (Gibt es eigentlich auch Schwule, die sich Lesbenpornos anschauen, fragte ich mich sofort im Stillen?!?)
Die Beziehung der beiden älter werdenden Frauen ist allerdings so sexy wie eine Dose Bohnen und von gegenseitiger Bemutterung abgewürgt. Das kann allerdings auch Heten in langjährigen Beziehungen passieren und ist eigentlich nichts Außergewöhnliches. Ärgerlich an dem Film ist, dass der einzige Sex mit Leidenschaft von heterosexueller Art ist. Dies kann aber auch an den beiden Schauspielerinnen liegen, denen man das Lesbischsein im Umgang miteinander nicht wirklich abkauft. Da knistert wirklich gar nichts.
Wie man sich aus Gründen der Dramaturgie denken kann verliebt sich eine der Lesben in den Samenspender und landet auch mit ihm in der Kiste, wo es hoch hergeht, vor allem im Vergleich mit den verklemmten Bemühungen mit ihrer Frau.
Eine ewig ungeklärte Frage bleibt, warum die Dame trotz dieser Umstände zu ihrer Lebensgefährtin zurückkehrt, wahrscheinlich wollte man dann doch eine etwas zukunftsfähigere Komödie drehen und die lesbischen Kinogängerinnen nicht vor den Kopf stoßen. Aus der Geschichte heraus erschließt sich mir diese Logik jedoch nicht, denn warum sollte man guten Sex gegen schlechten Sex eintauschen? Wegen des top-eingerichteten Hausrats vielleicht? Dem Kingsize-Ehebett und dem geregelten Eheleben? Heißt Liebe, auf Spaß zu verzichten?
Fazit: Trotzdem ein empfehlenswerter Film, der einer einen amüsanten Nachmittag bescheren kann.