Ja, die Political Correctness, was haben wir über sie geschimpft und auch die Frauenquote, so richtig lieben tut sie keine. Aber wir sollten uns erinnern, wie es früher war, also sagen wir mal, vorgestern, wenn bekannt wurde, dass man lesbisch ist. “Hast wohl noch keinen richtig reinbekommen?”, schallte es vom Herrentisch und Abhilfe wurde auch sogleich angeboten. Schön auch meine Erinnerung an ein Essen mit meiner Mutter, sie war irgendwie 68er und leider sexuell überhaupt nicht verklemmt, weshalb sie mir mein Problem händisch erklärte: “Das männliche und das weibliche Geschlechtsteil sind füreinander gemacht,” sagte sie und steckte den Zeigefinger der rechten Hand in den Kreis, den sie mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand geformt hatte. “Siehst du, das gehört zusammen.” Ich nickte perplex angewidert. “Und siehst du,” fuhr sie fort und bildete zwei Kreise aus Daumen und Zeigefinger mit beiden Händen und presste sie aneinander: “Das passt nicht zusammen.” Ich dachte noch tagelang darüber nach, dass sie Frauen anscheinend als Löcher betrachtete, die gestopft gehörten (siehe Herrenstammtisch), was mich schon in jungen Jahren an ihren sexuellen Erfahrungen und ihrer Selbstachtung zweifeln ließ. Jedenfalls, wenn man bedenkt, dass wir solche Redensarten und Reaktionen noch vor kurzem als normal betrachtet haben dann wird klar, dass wir uns heute eigentlich selbst nicht ernst nehmen können, wenn es um die Frage der Gleichberechtigung geht. Natürlich wollen wir gerne ohne Frauenquote Karriere machen, weil wir einfach so geil sind. Aber vermutlich befinden wir uns einfach in einer steinzeitlichen Phase, was die Gleichberechtigung der Frau und/oder Lesbe im Beruf betrifft und genauso wie bei meinem Coming-Out, als obszöne Menschen das Lesbischsein für obszön erklärten erklären jetzt die Konservativen die Frauenquote für überflüssig. Ja, es ist verdammt blöde, dass wir sie brauchen, aber dass wir sie brauchen, beweist der Status Quo und das Geschrei gewisser Männer, wenn es auf dieses Thema zu sprechen kommt. Schon wollen sie Männergruppen bilden und gegen die Diskriminierung der Männer ins Feld ziehen. Wohlgemerkt, weil Frauen paritätisch an beruflichen Vorteilen beteiligt werden sollen. Wir sollten uns an eben jenen ein Beispiel nehmen. Denn von Männern lernen heißt, siegen lernen.
Lesben als Mütter
5 Mar
Neuerdings kriegen immer mehr Lesben Kinder. Sobald sie Kinder haben, werden sie mehr Mütter und weniger Lesbe, das ist schon mal sicher, das hab ich beobachten können. Eine schleichende Heteroisierung der Lesbenszene macht sich da breit. Unterhöhlung der Lesbenschaft. Was ist da los?
Doch zunächst einmal die Frage, wie Lesben zu Kindern kommen. Einesteils gibt es den schwulen Freund, andererseits die Samenbank und als dritte, nicht ganz lesbische Möglichkeit, den Ausrutscher-Sex mit einem Hetero, der gerade bei jüngeren Lesben inzwischen nicht mehr dämonisiert wird und auch nicht zu sofortigen Zweifeln an der sexuellen Identität führt, was auf der einen Seite ganz entspannend ist, bei der eigenen Freundin allerdings zu einigen Verspannungen führen könnte, vor allem im Nacken- und Schulterbereich.
Nachdem ich lange hin und her überlegt habe, komme ich persönlich zu dem Schluss, dass sich für mich aufrechtes Lesbischsein und Kinder ausschließen. Zum einen habe ich nur schwule Freunde, deren Lebenswandel eine Spermaspende in ein neonleuchtendes Giftelixier verwandelt. Männer, die ihr Sperma bei der Samenbank abgeben halte ich persönlich für intellektuell oder emotional unterbelichtet oder zumindest verantwortungslos. Ich selbst würde zudem nur Kinder in die Welt setzen, um ihnen vorwerfen zu können, dass meine künstlerische Karriere im Sande verlaufen ist.
Trotzdem beobachte ich den Trend zur Homo-Kleinfamilie mit einem gewissen distanzierten Interesse. Sollte mir eine begegnen, deren Lebensglück von Dauer ist und die mich nicht an meine eigenen spießigen Eltern erinnern, werde ich sofort Bericht erstatten. Bis es jedoch soweit ist träume ich von einem eigenen lesbischen Lebensentwurf, der sich möglichst weit entfernt vom Townhouse am Paul-und-Paula-Ufer abspielt. Schon allein, weil ich der von der Leyen nicht gönne, dass sie für mich demnächst ein innovatives familienorientiertes Konzept aus der Diversity-Handtasche zieht, das sie mir mit einem dämonischen Leuchten in den Augen und spitzen Zähnen mit den Worten überreicht: Willkommen in der Stammwählerschaft der CDU/CSU.
Die Länge meiner Haare II
1 MarAls ich zwölf Jahre alt war, hatte ich schon einige Jahre darüber nachdenken können, wie ich das Haar-Dilemma lösen könnte. Eines Tages, meine Haare waren schon wieder ein wenig länger, betrat ich das Zimmer meiner Schwester mit einer großen Schere in der einen Hand und einem geliehenen Langhaarschneider in der anderen.
„Schneid mir die Haare“, sagte ich ernst und warf die große Schere auf ihr Bett.
Meine Schwester schaute mich ungläubig an. Noch nie hatte ich sie aufgefordert, meine Haare zu schneiden. Bisher war es immer meine Mutter gewesen, die die Haarschneide-Prozedur in Gang gesetzt hatte.
Meine Rolle war bisher, das entsetzte Gesicht zu machen.
„Gut“, sagte meine Schwester trotzdem und holte einen Stuhl, den sie vor ihrem großen Spiegel platzierte.
„Setz dich hin“, sagte sie, als alles vorbereitet war.
„Schneid sie ab“, sagte ich. Meine Schwester begann zaghaft, zu schneiden.
„Nicht so“, sagte ich, „alles ab.“ Meine Schwester zauderte.
„Du willst alle abschneiden?“, fragte sie.
„Schneid sie ab, danach rasieren wir sie mit dem Langhaarschneider.“
„Du spinnst, das sieht doch Scheiße aus“, sagte meine Schwester.
„Mach es“, sagte ich und war selbst erstaunt über meinen bestimmten Tonfall.
Nun schnitt meine Schwester schneller, es schien, als wollte sie die Sache hinter sich bringen. Strähne um Strähne fiel zu Boden. Zügig war nichts mehr übrig, das mein Gesicht hätte verstecken können.
Kurze Büschel standen jetzt von meinem Kopf ab. Das erste Mal bemerkte ich, dass mein Kopf nicht besonders rund war, sondern am Hinterkopf sogar ziemlich platt. Eigentlich eignete sich mein Kopf nicht besonders für einen Kurzhaarschnitt. Aber darum ging es schließlich nicht.
„Jetzt den Rasierer“, sagte ich.
„Man kann den einstellen, sagte meine Schwester mit einem Blick auf das silbrig glänzende Gerät.
„Von 3 bis 12 mm“, sagte sie.
„Stell 3 ein“, sagte ich. Meine Schwester merkte, das Widerspruch sinnlos war und schloss den Rasierer an die Steckdose an. Mit einem lauten Summton fuhr das Gerät über meine Kopfhaut und entfernte auch den letzten Rest von Haaren, bis nur noch eine sehr kurze, durchscheinende Decke übrig war. Wenn man darüber fuhr, kitzelten die Stoppeln angenehm auf der Handfläche.
„Fertig“, sagte meine Schwester. „Du siehst echt bescheuert aus, Mama bringt dich um, wenn sie dich sieht.“
„Danke“, sagte ich zu ihr und packte Langhaar-Schneider und Schere zusammen.
Als ich nach oben zu meiner Mutter ging, weil es demnächst Abendessen geben sollte, starrte meine Mutter mich mit einem schwer zu beschreibenden Ausdruck in den Augen an: „Wie siehst du denn aus?“, fragte sie schließlich.
„Du hast doch immer gesagt, dass meine Haare noch zu lang sind“, antwortete ich ruhig.
Man kann ja viel über meine Mutter sagen, aber nun tat sie das Beste, was man als Verlierer tun kann. Sie ignorierte die Sache und verlor nie wieder ein Wort über meine Haare. Vielleicht grummelte sie ein wenig, aber nur, wenn es keiner hören konnte.